Zusammenfassung
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Das FACTORFINDER-Relevanzmodell basiert auf dem gedanklichen Konstrukt von Idealen, die durch bestimmte Merkmalsausprägungen charakterisiert sind. Ideale sind nicht real vorhanden. Ein Verfehlen der idealen Merkmalsausprägungen kann in den realen Beispielen zum Scheitern der Alternativen führen, muß es aber nicht. Die Abwesenheit der idealen Ausprägungen wird in realen Beispielen in bestimmtem Umfang toleriert. Der Wert, der für die Wichtigkeit eines analysierten Faktors steht, orientiert sich an der Toleranz des Merkmales gegenüber zielhemmenden Ausprägungen.
Die Analyse erschwert, daß aus den beobachteten Alternativen nicht immer deutlich wird, ob die Ausprägung eines Merkmales in einer bestimmten Merkmalskombination zielfördernd oder zielhemmend wirkt. Sicher ist nur, daß alle zielhemmend ausgeprägten Merkmale einer erfolgreichen Alternative insgesamt nicht so wichtig sind, daß diese Alternative scheitert. Wenn in erfolgreichen Alternativen unterschiedliche Ausprägungen eines Faktors beobachtet werden, so bleiben zwei Möglichkeiten:

·Entweder ist dieser Faktor kritisch wichtig. Dann muß jede Ausprägung zielfördernd wirken, da dieser Faktor keine Toleranz gegenüber zielhemmenden Ausprägungen zuläßt.  
·Eine weitere Möglichkeit ist, daß dieser Faktor weniger als kritisch wichtig ist. Dann kann ein Merkmal einer erfolgreichen Alternativen auch zielhemmend ausgeprägt sein.  

Wenn ein Merkmal nicht zielführend ausgeprägt ist (was dem Analysierenden unbekannt sein kann), dann ist eine Alternative umso weniger akzeptabel, je wichtiger das betreffende Merkmal ist. Weniger wichtige Merkmale werden in beliebigen Ausprägungen toleriert. Die Toleranz hängt von der Wichtigkeit des jeweiligen Merkmales ab.
In der Problemklasse, für die das Modell geschaffen wurde, weist die Zielgröße einen Schwellenwert auf. Deshalb werden auch nicht-optimal ausgeprägte Varianten gleichermaßen als Erfolge angesehen, solange sie den Schwellenwert der Zielgröße übertreffen. Die Belohnungsstruktur des Analyseobjekts ist durch einen Schwellenwert gekennzeichnet, der die Varianten in eine Gruppe der akzeptablen Alternativen und in eine Gruppe der inakzeptablen Alternativen teilt.
In Situationen, in denen eine einzige Allokation der Ressourcen die Zielgröße akzeptabel erreicht und alle anderen Alternativen scheitern, erscheinen alle analysierten Merkmale wichtig. Andere Ausprägungen eines Merkmales werden nicht toleriert, ohne den Erfolg zu gefährden. Das legt die Hypothese nahe, jedes Merkmal sei kritisch wichtig.

Beispielsweise ist bei einem Fahrzeug ohne Reservereifen jedes Rad kritisch wichtig für das Ziel der Fortbewegung. Sobald jedoch verschiedene Alternativen das Ziel zu einem akzeptablen Grad erreichen (also beispielsweise ein Reserverad zur Verfügung steht und damit der Ausfall eines Reifens tolerabel wird), dann lassen sich Abstufungen der Wichtigkeit der analysierten Merkmale feststellen.  
 
Das wird unmittelbar an einem wirtschaftlichen Beispiel ersichtlich: Angenommen, für den Erfolg eines Restaurants sind sowohl dessen Standort als auch die Speisekarte kritisch wichtig. Ein Anbieter mit inakzeptablem Standort oder einer mit inakzeptabler Speisekarte wird erfolglos bleiben. Wäre die Speisekarte weniger als kritisch wichtig, dann hätte ein Anbieter auf akzeptablem Standort mit jedweder Speisekarte einen zumindest akzeptablen Erfolg.  
 
An dem Beispiel wird das zugrunde liegende Verständnis von Relevanz deutlich. Abstufungen von Wichtigkeit werden erst mit dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren wirksam. Je mehr akzeptable Alternativen bekannt sind, die sich von einer anderen akzeptablen Alternative in den unterschiedlichsten Merkmalskombinationen unterscheiden, desto geringer erscheint die Relevanz der differenzierenden Merkmale. Unvorteilhafte Merkmalsausprägungen führen umso eher zum Scheitern, je größer die Erfolgsrelevanz des Merkmales ist, in dem sich die Alternative vom Ideal unterscheidet. Nur ist einem Analysierenden nie mit Gewißheit bekannt, welches die zielführenden Ausprägungen sind. Er kann dies nur aus dem Vergleich der Vielzahl der Varianten erschließen.
Da das Relevanzmodell für den Anwendungsfall kategorialer (und nicht für kontinuierliche) Merkmale geschaffen wurde, lassen sich die Ausprägungen der Merkmale in zielführende und zielhemmende Ausprägungen unterteilen. Abstufungen im Zielbeitrag - wie es bei kontinuierlichen Merkmalen sinnvoll möglich ist - erscheinen bei kategorialen Analysedimensionen unangemessen.
Wenn mehrere Merkmale unvorteilhaft ausgeprägt sind, addiert sich die Wichtigkeit der nicht-ideal ausgeprägten Merkmale zu einem Gesamtwert, der den Erfolg der Alternativen letztlich bestimmt. Dieser Wert wird als Deviation bezeichnet. Die Wirkung zielhemmender Ausprägungen bleibt verborgen, solange die zielhemmend ausgeprägten Merkmale insgesamt nicht so wichtig sind, daß die Alternative zum Mißerfolg wird. Es scheint daher, als würde der Einfluß zielhemmend ausgeprägter Merkmale in einem bestimmten Umfang kompensiert. Dieser Ausgleich ungünstiger Einflüsse versagt, sobald ein weiterer ungünstig ausgeprägter Faktor hinzutritt. Für sich allein genommen würde ein solcher weiterer zielhemmender Einfluß nicht zum Scheitern der Alternativen führen. Im Zusammenwirken mit den anderen - für sich genommen - ebenfalls unerheblichen ungünstigen Faktoren führt dieser geringfügige Einfluß aber zum Scheitern der Alternativen. Daher ist es gerechtfertigt, von einer nichtkompensatorischen Verknüpfung der Merkmale zu sprechen.
Der Wert, der für die Relevanz der analysierten Faktoren steht, gestattet Vergleiche zwischen Varianten. Die Summe der Relevanz aller Merkmale, in denen sich Varianten unterscheiden, wird als Abweichung definiert. Diese Abweichung bleibt entweder subkritisch oder überschreitet den Schwellenwert. Plausibel ist es, wenn in einer Beispielbasis zu jeder erfolgreichen Variante ein Vergleichsbeispiel verzeichnet ist, das sich in Merkmalen unterscheidet, die insgesamt nur subkritisch wichtig sind.
Andererseits, wenn es keine andere erfolgreiche Alternative gibt, zu der in der Summe nur unwichtige Unterschiede festgestellt werden, dann ist dies ein Hinweis auf eine stark abweichende Variante oder darauf, daß die unterstellte Relevanzhypothese dem abgebildeten Analysegegenstand nicht gerecht wird. Der Wert dieser Erkenntnis liegt darin, daß dies auf eine Veränderung im Analyseobjekt hinweisen und Anlaß für weitere Analysen sein kann.
Der Nutzen des FACTORFINDER-Verfahrens besteht in der Beschreibung des Einflusses zielfördernder und zielhemmender Ausprägungen auf den Erfolg der Alternativen. Das FACTORFINDER-Verfahren erfordert als Datengrundlage eine Einteilung aller Varianten in Erfolge und Mißerfolge: Eine differenziertere Erfolgsmessung bei den Varianten erübrigt sich. Auch ist ein Modell des Zusammenwirkens der Merkmale, das über eine additive Verknüpfung der Merkmale hinausgeht, entbehrlich. Es darf bei der Datenerfassung offenbleiben, welche Ausprägungen zielfördernd wirken. Denn dies ist beim FACTORFINDER-Verfahren ebenso wie die Relevanzhypothese das Ergebnis der Analyse.