Die Datengrundlage der FACTORFINDER-Software besteht aus einer Liste aller akzeptablen Varianten, die der Nutzer eingeben muß. Der Nutzer bestimmt im Laufe seiner Analyse, welche Faktoren er berücksichtigen möchte. Die Bedienoberfläche leitet den Nutzer durch die Dateneingabe. Zugleich werden alle Eingaben auf ihre Vollständigkeit und Widerspruchsfreiheit überprüft.
Es sind keine Vorwegentscheidungen darüber erforderlich, welche Ausprägungen der Merkmale als vorteilhaft angesehen werden, da dies das Analyseergebnis sein wird. Außerdem müssen die erfolgreichen Alternativen nicht näher in ihrem Erfolg unterschieden werden.
Die FACTORFINDER-Software vergleicht alle gegebenen Beispiele paarweise miteinander. Jedes Vergleichspaar gestattet andere Folgerungen bezüglich der Wichtigkeit der analysierten Merkmale. Wie im vorhergehenden Kapitel geschildert, gelingt dies über das Erkunden der Tolerierbarkeit zielhemmender Ausprägungen. Anfangs wird eine zufällige Toleranzhypothese vom FACTORFINDER-Verfahren erzeugt. Der Testvektor wird den bekannten Varianten sowie deren Erfolgsbewertung gegenübergestellt und damit auf seine Plausibilität getestet. Auf der Grundlage dieser Überprüfung wird eine neue Toleranzhypothese, die in zufälliger Weise gering abweicht, erzeugt und abermals den bekannten Alternativen gegenübergestellt. In wiederholten Anpassungszyklen verbessert die FACTORFINDER-Software ihre Toleranz-/ Relevanzbewertung. Durch die Rechnerunterstützung lassen sich mit vertretbarem Aufwand Tausende von Anpassungszyklen erzeugen und prüfen.
Mit Verwendung des FACTORFINDER-Verfahrens wird unterstellt, daß Ausprägungen eines Faktors entweder zielfördernd oder zielhemmend wirken. Nur irrelevante Faktoren wirken neutral. Falls zu jedem Faktor nur eine Ausprägung zielfördernd und jeder Faktor kritisch wichtig ist, dann kann nur eine akzeptabel erfolgreiche Produktvariante beobachtet werden und alle anderen Alternativen scheitern. Wenn mehr als eine Ausprägung in erfolgreichen Alternativen beobachtet werden kann, dann bestehen zwei Möglichkeiten: Entweder ist der betreffende Faktor kritisch wichtig. Jede der beobachteten Ausprägungen muß zielfördernd wirken, da der Faktor zielhemmende Ausprägungen nicht toleriert. Als zweite Möglichkeit bleibt, daß der Faktor weniger wichtig ist. Subkritisch wichtige Faktoren ermöglichen, daß selbst in erfolgreichen Varianten Ausprägungen einzelner oder mehrer Faktoren zielhemmend wirken.
Je mehr zielfördernde Ausprägungen existieren und je weniger relevant ein Faktor ist, desto mehr akzeptable Alternativen können beobachtet werden. Zielhemmende Ausprägungen können eine Variante scheitern lassen; sie müssen es aber nicht. Zielhemmende Ausprägungen fördern das Versagen - je wichtiger der Faktor ist desto sicherer. Der Einfluß mehrerer zielhemmend ausgeprägter Faktoren addiert sich auf - so wird bei der Nutzung des FACTORFINDER-Verfahrens unterstellt - zu einem Wert, der den Erfolg oder Mißerfolg der Alternativen determiniert.
Als Ergebnis identifiziert die FACTORFINDER-Software bei ausreichender Datengrundlage die zielfördernden Ausprägungen, die Relevanz der Merkmale sowie Varianten, die von den als ideal erkannten Varianten stark abweichen und dabei unerwartbaren Erfolg haben.
Die FACTORFINDER-Software kann in einem breiten Feld von Analyseproblemen eingesetzt werden, wenn nicht-metrische Merkmale interagieren und wenn die Varianten zweiwertig als akzeptabel und inakzeptabel charakterisierbar sind.